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Mit mentaler Provokation zu neuen Ideen

Der kreative Fokus wird bei der mentalen Provokation mithilfe einer provokanten, fast absurd klingenden Reizaussage auf den Kopf gestellt. So wird das gewohnte Denkmuster aktiv durchbrochen. Innovationen und das unkonventionelle Neue können sich so leichter als Idee ihren Weg bahnen. Diese Kreativitätstechnik eignet sich hervorragend bei: Fragen zu Arbeitsabläufen, Zusammenarbeit, Kunden- und Mitarbeiterbelangen, Optimierungen von Arbeitsmethoden, Service, Auftritt, Kooperationen. Die mentale Provokation ist nicht gut geeignet für Fragestellungen, in denen fixe Aspekte berücksichtigt werden sollen. Man braucht dazu zwischen 30-60 Minuten und die Teilnehmerzahl ist variabel. Mit diesen 4 Schritten gestalten Sie den Ablauf der mentalen Provokation:


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1. Schritt Mentale Provokation: Stimmen Sie sich auf das Wörtchen «Po» ein

Urchaos

Im Jahr 1968 hat der Kreativitätsforscher und Denkstratege Edward de Bono das Wörtchen «Po» aus der Taufe gehoben und zum Instrument des kreativen Prozesses bestimmt. Die Wahl dieses Wörtchens «Po» wurde ganz bewusst getroffen, denn «Begriffe wie Hy(po)these, (Po)tenzial und (Po)esie deuten auf die Sprungbrettfunktion einer Aussage hin», so de Bono. Auch «bezieht sich in der alten polynesischen und in der Maori-Sprache das Wörtchen «Po» auf das Chaos der Urmaterie, aus der die Welt und alle Lebewesen erschaffen wurden». Es ist also keineswegs ein wahllos ausgesuchtes Wort, sondern hat eine tiefere Sinndeutung, die Sie augenblicklich mit dem geistigen Ursprung alles Erschaffenden verbindet – sozusagen mit dem Götterboten Merkur, dem Heiligen Geist oder dem Gedankenblitz für neue Ideen und Möglichkeiten.

Durch «Po» signalisieren Sie so die provokante Reizaussage. Weisen Sie die Teammitglieder aber unbedingt auf diesen tiefer liegenden Sinn des Wörtchens «Po» hin. Ansonsten laufen Sie Gefahr, dass es Missverständnisse gibt («Was hat denn jetzt das menschliche Hinterteil in unserer Kreativitätssitzung zu suchen? Völlig unpassend!») oder sich das Team zu sehr auf dieses Wort fixiert. Der freisetzende Effekt geht so verloren.

2. Schritt Mentale Provokation: Eine Reizaussage wird gesucht

«Po» formulieren

Die Reizaussage ist abhängig von der Po-Variante, die Sie und die Gruppe für die Kreativitätssitzung wählen. Klären Sie mithilfe der Checkliste «Die zehn Po-Varianten» (welche  Sie im kostenlosen Download finden), was für die kreative Fragestellung und/oder das Problem, das gelöst werden soll, am besten geeignet ist. Formulieren Sie schliesslich eine Reizaussage.

Beachten Sie dabei aber, dass wirklich etwas Absurdes, Provokantes formuliert wird. Schliesslich ist es das Ziel der Reizaussage, die gewohnte «Denkschiene» zu durchbrechen.

Sollten die Teilnehmer mehrere Varianten nennen, muss selbstverständlich eine ausgewählt werden. In solch einer Situation ist es am besten, die einzelnen Reizaussagen auf einen Zettel zu schreiben, diese in ein Gefäss oder einen Umschlag zu stecken und schliesslich blind einen Zettel zu ziehen. Nur so ist gewährleistet, dass nicht die Reizaussage gewählt wird, die allen besonders «reizvoll» erscheint. Dies weist nämlich auf eine Aktivierung gewohnter Denkmuster hin. Natürlich können Sie auch bei der Vorbereitung der Kreativitätssitzung sowohl die Po-Variante als auch eine Reizaussage wählen. Leiten Sie dann in der Sitzung einfach auf den Flipchartbogen hin, auf dem in Grossbuchstaben die Po-Variante und die Reizaussage notiert sind, z.B.: «Zerrbildvariante: Po – Der Kunde reklamiert bereits bei der Bestellung».

3. Schritt Mentale Provokation: Die Reizaussage dient als Sprungbrett

Denken in alle Richtungen zulassen

Jede Reizaussage wird eine gedankliche Bewegung anstossen, die zweifelsfrei auf eine andere, ungewohnte und Ideen freisetzende «Denkschiene» führt. Folgen Sie dieser – und zwar in jede Richtung. Listen Sie alle Gedanken, Bilder und Vorstellungen auf. Unterstützen Sie diesen Prozess durch gezielte Fragen:

  • Welche Bilder löst die Reizaussage aus?
  • Was könnte eintreten/passieren?
  • Was könnte der Kunde beispielsweise bereits bei der Bestellung reklamieren?
  • Wie sollte das Unternehmen reagieren?
  • Auf was müssten dann alle achten?
  • Was müsste bei der Bestellannahme noch abgefragt werden?
  • Wie beeinflusst diese Reklamation den bisherigen Bestell- und Arbeitsablauf?

Individuelle Vorgehensweise

Oftmals ist es hilfreich, die Teilnehmer erst einmal in Ruhe und alleine einige Gedanken zu diesem Schritt notieren zu lassen – natürlich am besten auf der kostenlosen Vorlage, welche Sie hier downloaden können. So kann wirklich jeder seiner eigenen «Denkschiene» folgen, in die er durch die Reizaussage gelenkt wird. Die Gefahr durch kreative Schnelldenker, die jede Gruppe enthält, in eine andere Richtung gelenkt zu werden, wird so gebannt. Der Reichtum an Bildern und Gedanken wird so sicherlich erhöht.

4. Schritt Mentale Provokation: Ideen freisetzen und Verknüpfungen schaffen

Weiterverfolgen

In der Regel bilden sich bei der Auflistung der Bilder und Gedanken über die Reizaussage erste Ideen. Greifen Sie jedoch auch auf Vorstellungen und Aussagen zurück, die nicht weiterverfolgt wurden. Welche Idee steckt in ihnen? Rufen Sie deshalb nochmals die kreative Fragestellung ins Gedächtnis. Richten Sie schliesslich gemeinsam das Augenmerk auf Möglichkeiten der Verknüpfung zwischen der Fragestellung und den aufgelisteten Gedanken. Regen Sie diesen Denkprozess durch Fragen an:

  • Wie kann dieser Gedanke der mentalen Bewegung – des Sprungbretts – für die Fragestellung genutzt werden?
  • Wie lässt sich diese gewagte Aussage – «Absurdität» – mit der Fragestellung verknüpfen? Was setzt sie im Hinblick darauf frei?
  • Welcher Aspekt dieser Aussage trägt zur Lösung des Problems bei?
  • Wie kann die Absurdität in die Realität übertragen werden?


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